Meidlinger Gemeindebau nach Maler Josef Mikl benannt

Prägender österreichischer Künstler mit Hofbenennung gewürdigt

Josef-Mikl-Hof Schönbrunner Straße 242 © Andacht.at

Der Wiener Gemeindebau in der Schönbrunner Straße 242 im 12. Bezirk trägt ab sofort den Namen des Künstlers Josef Mikl. Am 24. 10. fand die offizielle Namensgebung statt.

„Josef Mikl hat mit seiner Kunst und seinen Arbeiten inspiriert, Impulse gesetzt und zeitlose Werke geschaffen. Er hat die Wiener Kunstszene nachhaltig geprägt und weit über die Grenzen hinaus gewirkt. Es freut mich sehr, dass wir mit der Hofbenennung sein Leben würdigen und dadurch der Name Josef Mikls im öffentlichen Raum in Erinnerung bleibt.“ sagte Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál.

Josef Mikl wurde am 8. 8. 1929 in Wien geboren und besuchte nach dem Krieg die Höhere Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Von 1948 bis 1955 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Student war er Mitglied des Wiener Art Club bis zu dessen Auflösung im Jahr 1955. Hier traf er unter anderem auf Maria Lassnig und Friedensreich Hundertwasser.

Josef-Mikl-Hof Schönbrunner Straße 242 © Andacht.at

1956 gründete Mikl mit Arnulf Rainer und anderen die legendäre Künstlergruppe „Galerie nächst St. Stephan“. Josef Mikl bestimmte in den folgenden Jahren die Wiener Avantgarde-Szene, er verhalf – mit anderen – im Wien der 1950er-Jahre der Abstraktion zum Durchbruch. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter*innen der informellen Malerei. In der Abstraktion war die menschliche Figur zentrales Thema vieler Arbeiten und Ausgangspunkt für seine Kompositionen.

Im öffentlichen Raum gestaltete er unter anderem die Kirchenfenster der Pfarrkirche Parsch in Salzburg und jene der Friedenskirche in Hiroshima, Japan. 1997 gestaltete er den neu eröffneten Großen Redoutensaal in der Wiener Hofburg. Das Deckenbild und den 22 dazugehörigen Wandbilder setzen sich mit bekannten Werken und literarische Figuren österreichischer Autoren auseinander.

Josef-Mikl-Hof Schönbrunner Straße 242 © Andacht.at

Josef Mikl vertrat Österreich 1968 bei der Biennale in Venedig und war von 1969 bis 1997 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1990 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2004 wurde ihm das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Im selben Jahr ehrte die Stadt Wien Josef Mikl mit dem Ehrenring.

„Meidling erfreut sich einst und heute eines regen kulturellen Lebens, wie wir am Beispiel Josef Mikls sehen können. Dass der Künstler Josef Mikl einen bedeutenden Teil seines künstlerischen Werkes in einem unserer Gemeindebauten geschaffen hat, freut mich besonders. Mit der heutigen Benennung des Ortes seines Wirkens nach ihm setzen wir ein bleibendes Zeichen der Wertschätzung“, so Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Barbara Marx.

Atelier von Josef Mikl in der Praterstraße

Josef-Mikl-Hof Schönbrunner Straße 242 © Andacht.at

Zum Josef-Mikl-Hof

Die Wohnhausanlage wurde nach den Plänen der Architekten Stephan A. Kraft und Richard Praun zwischen 1960 und 1962 erbaut. Am 11. November 1962 – im Jahr der Fertigstellung – mietete Josef Mikl in dieser Wohnhausanlage ein Atelier an. Der Gemeindebau umfasst zwei Wohnblöcke mit vier Stiegen und heute insgesamt 43 Wohnungen.

Stephan A. Kraft (1895-1976) studierte von 1932 bis 1934 und 1945/46 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem plante er zusammen mit Richard Praun für die Gemeinde Wien das Wohnhaus Schönbrunner Straße 242 in Wien 12 (1960-1962). Die Anlage Hetzendorfer Straße 165-187 in Wien 13 (1950-1952) wurde in einer Arbeitsgemeinschaft mit Julius Bergmann und Rudolf Münch realisiert.

Richard Praun (1909-1972) studierte ab 1926 an der Wiener Kunstgewerbeschule und im Anschluss an der Akademie der bildenden Künste. Er arbeitete zunächst im Büro von Clemens Holzmeister mit und führte danach zahlreiche Großprojekte für die NS-Rüstung aus. Nach Kriegsende wurde er u. a. mit dem Wiederaufbau des Oberen und Unteren Belvederes betraut. Praun plante aber auch zahlreiche Industriebauten in Wien und Niederösterreich. Für die Gemeinde Wien entstand die Wohnhausanlage Kaisermühlendamm nach seinen Entwürfen.

Die Informationstafel wurde in Anwesenheit von Franz Wibmer und Brigitte Mikl Bruckner enthüllt.


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