150 Jahre Zentralfriedhof

Geboren am: 01.11.1874
Verstorben am:

 

Lebenslauf

1784

Josephinische Reformen
Kaiser Joseph II. verfügt, dass Friedhöfe innerhalb des Linienwalls, also innerhalb des heutigen Gürtels, aufgelassen werden müssen.

1863

Gemeinderat beschließt Errichtung eines Zentralfriedhofs
Der Wiener Gemeinderat beschließt die Errichtung eines Zentralfriedhofs außerhalb der Stadt. Seine Kapazität soll auch für die Zukunft der Stadt Wien groß genug sein.

1873

Petition an die Statthalterei
Unter den Bewohnern von Simmering zirkuliert gegenwärtig eine Petition an die Statthalterei gegen die beabsichtigte Einführung der Wiener Leichentransporte durch die Hauptstrasse von Simmering zum Zentralfriedhof. Motivirt wird diese Petition durch den ohnehin außerordentlich belebten Verkehr auf der Straße, der gegenwärtig schon häufig unterbrochen wird, sowie durch Rücksichten, die in fanitärer Beziehung gegenüber den Bewohnern der Hauptstraße genommen werden müssen. Da durch diese Straße in Kürze auch die Pferdebahn gebaut werden wird, auf welcher gleichfalls Leichentransporte in geschlossenen Wagen eingeführt werden sollen, so erscheinen die übrigen Leichentransporte umsomehr aus Sanitäts- und Verkehrsrücksichten unzulässig, selbst wenn dieselben Abends oder zur Nachtzeit stattfinden würden. Es wird deshalb das Ansuchen gestellt, die Statthalterei möge dahin wirken, daß die projektirte neue Friedhofstraße, welche parallel mit der Hauptstraße läuft, ausschlißlich zum Leichentransporte benützt und bis zur Herstellung derselben die provisorische Straße längs dem Wiener Neustädter Kanale für den erwähnten Zweck in Anspruch genommen wird. ____ Fremden-Blatt 30. Oktober 1873

1874

Eröffnung, 1. November 1874
Jakob Zelzer (72) aus Wien Josefstadt gilt als der erste, der am neuen Friedhof bestattet wird. Insgesamt gab es am Eröffnungstag 13 Begräbnisse. Jakob Zelzer war der einzige, der in einem Familiengrab bestattet wurde, die anderen 12 fanden ihre letzte Ruhe in einem anonymen Gemeinschaftsgrab. Seine Grabstätte befindet sich in der Gruppe 0, Reihe 0, Nr. 1. »Das Leichenbegängnis des Jakob Zelzer war das einzig Schöne. Die Leiche, welche in einem Holzsarge, den ein Metallsarg umschloß, ruhte, wurde in einem sechsspännigen Trauerwagen der Entreprise des pompes funébres nach dem Zentral-Friedhof befördert und in einem Einzelgrabe beerdigt. Die Angehörigen des Verblichenen, die in Fiakern dem Sarge gefolgt waren, begaben sich gleich zu dem offenen Grabe. Den Leichentransport besorgt als Kontrahend der Kommune die Entreprise des pompes funébres. Durch die neue Begräbnisordnung ist übrigens das feierliche Leichenbegängnis nicht abgeschafft, wie von Manchen irrigerweise behauptet wird. Nur die Musik-Begleitung und das Gefolge zu Fuß auf dem Wege von der Kirche zum Zentralfriedhof ist abgeschafft. Der Leichenzug zur Kirche aber kann mit allem üblichem Pompe stattfinden und außer der obgenannten ist auch für den Leichenkondukt bis zum Friedhofe eine Beschränkung nicht angeordnet. Die Leichenwagen müssen hermetisch verschlossen sein. Um dieser Bedingung gerecht zu werden, die offenen, reich ausgestatteten Wagen aber doch verwenden zu können, hat die Entreprise eine neue Konstruktion ersonnen, in dem sie auf die offenen Wägen metallene Sarkophage setzen ließ, in welche die Särge unter hermetischem Verschlusse eingeschoben werden.« ___. gekürzt; Gemeinde-Zeitung. 3. Nov. 1874, Quelle: anno.onb.ac.at

1875

Wiener Zentralfriedhofs-Locomotiv-Eisenbahn
Die Schifffahrts-Kanal-Aktiengesellschaft hat dem t.t. Handelsministerium ein detaillirt ausgearbeitetes Projekt einer „Wiener Zentralfriedhofs-Locomotiv-Eisenbahn“ überreicht. Diese langathmige Bahn, zirka eine halbe Meile lang, ist auf vier Millionen Gulden veranschlagt. _____(Neuigkeits) Welt Blatt 23. Oktober 1875

1876

20. Februar 1876
Der Zentralfriedhof unter Wasser! Freitag nachmittags gegen fünf Uhr trat infolge des raschen Thauwetters der Wiener Neustädter Kanal aus. Vom Laaberge ergossen sich die Wasser über den Zentralfriedhof, der schon um sieben Uhr vollständig überschwemmt war. Nach den uns vorliegenden Berichten steht das Wasser dort drei Schuh hoch. Stadtphysikus Dr. Innhauser, der sich sofort auf den Zentralfriedhof begab, ordnete an, dass die Leichenbeförderung dorthin bis auf weiteres zu sistiren sei. Auf dem Hundsthurmer und St. Marxer Friedhof wurden in aller Eile Baracken gezimmert und die Särge dort bis auf weiteres untergebracht. ______(Neuigkeits) Welt Blatt 20. Februar 1876

1877

(Neuigkeits) Welt Blatt 5. September
„Der Zentralfriedhof belebt. Da die Umgebung Wiener Zentralfriedbofes aus Getreidefeldern besteht und als Ende Juli daselbst die Frucht geschnitten und geborgen war, fanden Tausende und Tausende von Feldmäusen, welche bis dahin auf den Feldern bauten, es für angezeigt, die Gartenanlagen des Zentralfriedhofes als Villegiatur zu benützen. Die Friedhofs-Verwaltung war über die ungebetenen Gäste wenig erfreut und ließ es nicht an Anstrengungen fehlen, die Mäuse zu vertreiben. Bei der großen Menge der Eindringlinge waren indeß alle diesfälligen Bemühungen bisher resultatlos.“___ (Neuigkeits) Welt Blatt 5. September

1878

(Neuigkeits) Welt Blatt 11. Januar 1878
Theures Wasser für den Wiener Wiener Zentralfriedhof. Die Friedhofs-Kommission des Wiener Gemeinderaths hat einem Projekte ihre Zustimmung ertheilt, welches die Herstellung einer Wasserleitung für den Zentral-Friedhof um Zwecke einer rationellen Beipritzung desselben bezweckt. Die Kosten dieser Wasserleitung, die das Wasser dem Wiener Neustädter Kanale entnehmen wird, sind auf nahezu 250.000 fl. veranschlagt.

1884

Der Tod ist mein Gewinn
Da es sich herausstellt, daß alle Verwaltungszweige, welche die Gemeindewirthschaft betreffen, passiv sind und nur der Zentralfriedhof ein Erträgniß liefert, so kann die Wiener Kommunalverwaltung mit Bürger’s »Leonore« singen: »Der Tod, der Tod ist mein Gewinn!“ ___ Figaro, 30. August 1884

1888

Exhumierung der Leiche Beethoven’s
Am 21. d. M. Nachmittgs fand auf dem Währinger Ortsfriedhofe die Exhumierung der Leiche Ludwig von Beethoven’s statt. Anwesend waren: Der Bezirkhauptmann von Hernals, Statthalterreirath Habicher, Bürgermeister- Stellvertreter Dr. Prir, Magistratsdirektor Bittmann, Archivar Regierungsrath Weiß und Gemeinderath Vaugoin, Obmann der Friedhofskomission u. A. Sanitätsrath Dr. Witlacil leitete den Akt. Alle Anwesenden nahmen rings um das Grab Aufstellung, und nun schritten die Arbeiter zur Oeffnung der Gruft. Nach kurzer Zeit war der Sarg, der ziemlich gut erhalten ist, bloßgelegt und hierauf geöffnet. Nach Konstatirung der Identität nahm Professor Toldt an den Schädelknochen einige anatomische Messungen vor, worauf der Holzsarg in einen prächtigen Metallsarg, welcher die Buchstaben »L. B.“ zeigt, gelegt und der Sarg wieder geschlossen wurde. Auf dem Sargdeckel befindet sich nun folgende Inschrift: »Ludwig von Beethoven, geb. 16. Dezember 1770, gest. 26. März 1827.“ Der Sarg wurde sodann in die mit Blumen geschmückte Friedhofskapelle gebracht, von wo aus derselbe am 22. Nachm. auf den Wiener Zentralfriedhof zur Beisetzung gebracht wird. Die Familie Beethoven’s war bei der Exhumierung und Wiederbestattung durch einen Urenkel seines Bruders Karl, den jur. Hermann Weidinger, vertreten. _____(Neuigkeits) Welt Blatt 23. Juni 1888

1898

Unwetter und Hagelschlag im Wiener Zentralfriedhof.
Gestern Nachts ist der Wiener Zentralfriedhof von einem schweren Unwetter heimgesucht worden, das seinen Weg, von der Donau kommend, über den Friedhof gegen den Laaerberg genommen hat. Während die angrenzenden Gebietstheile von Simmering und Schwechat vom Hagelschlage ziemlich verschont geblieben sind, hat sich das Unwetter mit furchtbarer Gewalt gerade über dem Zentralfriedhof entladen. Punkt 12 Uhr nachts brach nach vorangegangenem heftigem Sturm der Hagelschlag los, der mit unverminderter Heftigkeit nahezu 15 Minuten anhielt; in den Wohn- und Wirthschaftsgebäuden ist auf der Wetterseite kaum eine Fenstertafel ganz geblieben. Die Schloßen fielen in solcher Größe und mit solcher Heftigkeit, daß sie nicht nur die äußeren Fenster, sondern auch die herabgelassenen Fensterplachen und die inneren Scheiben durchschlugen. Von den Bäumen wurden Laub und Äste in Unmaßen abgeschlagen, so daß am frühen Morgen alle Wege übersäet waren. Viele hunderte von Singvögeln, die im Laube der Alleebäume Zuflucht gesucht hatten, fanden in diesem Unwetter den Tod. Die schönen Anlagen des Friedhofs und die gesamte, heuer besonders schön durchgeführte Gräberausschmückung haben naturgemäß durch den Hagelschlag bedeutenden Schaden gelitten. Sämmtliche Kulturen in den Gärtnereien, die das Blumenmaterial für den Hernst liefern sollten, sind vernichtet. Da die Gemeinde Wien für Elementarschäden keine Haftung übernimmt, so haben jene Personen, die die Ausschmückung ihrer Gräber wieder in Stand setzen wollen, ein Drittel der für diese Ausschmückung entfallenen Einheitspreise nachzuzahlen. – Das Wetter hat auch im unteren Donauthale, namentlich in der Gegend um Hainburg, vielen Schaden angerichtet. _____Arbeiter Zeitung 21. Juli 1898

1975

Album „Es lebe der Zentralfriedhof“
Wolfgang Ambros und sein Freund und Texter Joesi Prokopetz lassen sich 1974 von einem Plakat anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums des Zentralfriedhofs inspirieren. Im Jahr 1975 bringt Ambros das Album „Es lebe der Zentralfriedhof“ auf den Markt. Kurt Hauenstein spielt auf dem Album Bass – er liegt in einem Ehrengrab unmittelbar hinter Falco. (Gruppe 40, Reihe 5, Nr. 28)

1999

Babygruppe
1999 entschließt sich die Stadt Wien für viel zu früh verstorbenen Kinder eine Begräbnisstätte zu errichten.

2006

Nachklang
Zum ersten Mal findet im Bereich vor der Kirche das Nachklang-Open Air Konzert statt.

2014

Bestattungsmuseum übersiedelt
Im September 2014 übersiedelt das Bestattungsmuseum von der Goldeggasse 19 unter die Aufbahrungshalle 2.

2018

Kaffee und Kuchen
Ein Kaffeehaus mit Terrasse eröffnet beim Tor 2.

2019

Silent Run
Die beiden Laufstrecken am Zentralfriedhof werden mit einem Charity Eröffnungsfest eröffnet. Der Erlös der Laufveranstaltung kommt PH Austria -Initiative Lungenhochdruck und dem Lungenkinder Forschungsverein zugute.

2021

Wolfgang Ambros spielt erstmals Live am Zentralfriedhof
Am Mittwoch, den 8. September 2021 erklingt der Hit von 1975 live vor der Karl-Borromäus-Kirche. Der Eintritt zur Veranstaltung ist nur mit 3G-Nachweis möglich.