Alfred Bangerl
3. 12. 1947 - 6. 2. 2019
Alfred Bangerl – eine Spurensuche
Alfred Bangerl war ein Koch und später Wirt der Wiener Szene der 80er-Jahre. Ich habe ihn zum ersten Mal wahrgenommen, da war er Koch in einem Lokal mit dem Namen „Berggasse 29“ an der gleichen Adresse in 1090 Wien. Das Lokal wurde von einem gewissen »Wolfgang« betrieben und hatte nur wenige Tische.
Bekanntheit erlangte er in den 80er Jahren als Wirt eines kleinen Lokals in der Börsegasse 1. Das Lokal kann wohl nicht viel größer als 50qm gewesen sein. Im vorderen Bereich war die Theke, weiter hinten wurde es schmal, da standen ein paar Tische. Gleich beim Eingang rechts war ein Baumstumpf. Mit der Schnittfläche einer Axt versuchten die Gäste Nägel in den Stamm einzuschlagen. Für Gewinner und Verlierer:innen (waren da auch Frauen dabei?) ging es dabei um ein Stamperl Fernet. Oder war es ein Underberg? ... Hinter der Theke war eine kleine Kochnische – aber ich bin nicht sicher, ob man zum Bangerl wegen des Essens kam... Prominenz war jedenfalls viel dort. Stefanie Werger, Gert Steinbäcker, Joesi Prokopetz, Ulli Bäer u.v.a. Das Bangerl hatte auch am 24. Dezember geöffnet und ein paar Mal endete mein eigener heiliger Abend dort.
Nach einem Aufenthalt in Schweden eröffnete Alfred Bangerl in der Speckbachergasse 47 in 1160 Wien ein etwas größeres Lokal. Dort war ihm, zumindest in meiner Wahrnehmung, weniger Erfolg beschieden - nicht alle ehemaligen Stammgäste folgten ihm in die Vorstadt hinter die Wattgasse. Die Küche war größer und ab und zu half ihm ein Kellner. Ich glaube man nannte ihn »Güntschi« – vermutlich hieß er Günther und wohnte angeblich in der Rosenackergasse. Zu den Gästen zählte auch Günter Friedreich, heute der Betreiber „Zur blauen Nos'n“.
Danach war er eine Zeit lang (wie lange?) in Ransberg in Schweden an einem See und vermietete ein Haus an Hobbyfischer? In dieser Zeit war er angeblich mit einer Frau zusammen, deren Tochter angeblich als Journalistin für den KURIER schrieb. Die Namen »Holy« oder »Holly« wurden mir genannt. Seine Rückkehr aus Schweden wurde jedenfalls im Hotel „ANNO“ in der Kulmgasse 22 gefeiert, wie mir Alfred Pany bestätigte.
Seine Wohnung war angeblich in der Nähe des Lokals im 16. Bezirk bei der Speckbachergasse. Ebenso wurde mir erzählt, dass sein verstorbener Vater eine Wohnung im 10. Bezirk hatte, in der Alfred auch gewohnt haben soll. Das Haus in der Speckbachergasse 47 gehörte angeblich einer Freundin von ihm, das könnte auch der Grund gewesen sein, warum er ausgerechnet dort sein Lokal betrieb. Auch soll er eine Zeit lang im Haus über dem Lokal gewohnt haben.
Fredi, wie er von seinen Gästen genannt wurde, spielte oft und gerne den Song »Kamillentee« von Joesi Prokopetz. Das Gerücht, der Song hätte einen Zusammenhang mit ihm wurden nach meiner Anfrage an ihn im Mai 2024 nicht bestätigt. »... nach Rücksprache mit Herrn Prokopetz darf ich Ihnen mitteilen, dass zwischen dem Lied Kamillentee und Herrn Bangerl keinen Zusammenhang gab. Alfred Bangerl mochte das Lied sehr gerne und hat es deshalb in seinem Lokal immer gespielt« schrieb mir Fr. Petra Lohmann.
Gelingt es uns gemeinsam mehr über Alfred Bangerl herauszufinden?
Danke für die Mithilfe!
Danke an Michael Schiefer für die Bilder und Texte aus seinem Archiv.
Danke an Alfred Pany (5. 2. 2025) für die Bilder und Texte aus seinem Archiv und zahlreiche Hinweise und Anekdoten.
Danke an Hannes Lichtenegger (7. 2. 2025) für interessante Infos!
ich habe lange hin und her überlegt, ob ich etwas schreiben soll. seid hat mir etwas die freude genommen, auch er bemächtigt sich gelegentlich der kleinschrift, so wie ich. überhaupt glaube ich nichts schreiben zu müssen, denn ich bin in meinem kleinen beisl, mein bester und langjährigster stammgast. der gast ist könig und könige lassen schreiben.
Gibt es den Kuß der Muse?
Ich glaube schon, aber er ist zumeist nur eine zarte, gerade noch wahrnehmbare Berührung, wenn ich an „meine " Muse denke. Der Schriftsteller braucht geradezu den Kuß der Muse. Sonst sitzt er lustlos da, wartet verzweifelt auf Inspiration und ergeht sich eher im gelangweilten Betrachten seiner Umwelt. Aber die vermag ihn selten zu interessieren.
Die Muse trifft man am ehesten im Beisel oder Kaffeehaus. Die unbeschwerte Stimmung, die gelöste Armosphäre wirken nicht selten stimulierend. Wenn es dann rauchig wird im Lokal, dann pflegt die Muse gelegentlich zu erscheinen. Versetzt mich in Trance, so daß man die übrigen Anwesenden nicht bemerkt. Dann haucht sie flüchtig einen Kuß auf meine Stirne, und ist schon wieder weg, wie aufgelöst. Und aufeinmal ist sie da, die langgesuchte Inspiration. Es fließt dann förmlich rasant aus einem heraus: Gedichte, Prosatexte, Aphorismen und es ergeben sich auch Einfälle für Theaterstücke. Diese Ideen müssen dann umgesetzt werden und das artet in Arbeit aus.
Und das alles, weil die Muse einen zarten Kuß mir auf die Stirn gegeben hat. Vieles, was Sie geneigter Leser, in dieser Broschüre finden, ist beim „banger!" entstanden. Ich widme diese Texte, die ich zu einem geordneten Strauß gebunden habe - in tiefer Verneigung vor „meiner" Muse - dem „bangerl" und seinen Stammgästen.
Günter Seidl
Stationen im Leben des Alfred Bangerl
Elternhaus und Kindheit
- Daungasse 1, 1080 Wien. Im gleichen Haus befand sich von 1968 bis 1980 das Lokal »Voom Voom«
70er Jahre
- Alfred wohnt am Hernalser Gürtel und züchtet nebenbei Reptilien
70er Jahre
- Erwähnt ist auch ein Aufenthalt in Wiesbaden
um 1988
- Kocht im Lokal »Kitsch und Bitter«, Ruprechtsstiege 1 in 1010 Wien
1984 bis 1986 ?
- Alfred kocht in einem Lokal/Gasthof »Millauer«(oder so ähnlich) in der Steiermark?
1980er
- Alfred kocht im Lokal »Berggasse 29«, heute: »Sentepe«
Zeit_?
- Alfred schließt sein Lokal in der Börsegasse 1 und zieht nach Ransberg in Schweden
Zeit_?
- Seine Rückkehr aus Schweden feiert er mit Freunden im Hotel »Anno« in der Kulmgasse 22, 1170 Wien
Zeit_?
- Alfred eröffnet sein neues Lokal in der Speckbachergasse 47, 1160 Wien. Ein Zeit lang wohnt er auch im gleichen Haus.
um 2013
- Alfred Bangerl wohnt in einem ehem. Winzerhaus in Gainfarn bei Baden bei Wien
2019
- Ein paar Tage vor seinem Tod wird er angeblich noch am Flohmarkt gesehen. Danach verliert sich seine Spur.