Brigitte Bierlein

Alle Fotos: Marlene Fröhlich für Westlicht, 2019

Trauer um Brigitte Bierlein

„Mit Brigitte Bierlein verliert Österreich nicht nur die erste Bundeskanzlerin seiner Geschichte, sondern vor allem eine herausragende Persönlichkeit, die sich in sehr herausfordernden Zeiten mutig der Verantwortung für unser Land gestellt hat“, so Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Karlheinz Kopf, Generalsekretär der WKÖ, zum Ableben von Brigitte Bierlein.

Bierlein habe an der Spitze einer Beamtenregierung Österreich „unaufgeregt und stets mit ruhiger Hand“ durch eine schwierige Übergangsphase geführt, nachdem sie sich bereits als erste Frau an der Spitze des Verfassungsgerichtshofs als besonnene und weitsichtige Persönlichkeit bewiesen hat. Mit ihrer Amtsführung als Bundeskanzlerin habe Bierlein maßgeblich zur Stabilität des Landes und auch des Wirtschaftsstandortes beigetragen. „Für diese große Leistung und ebenso für die stets gute Zusammenarbeit gelten Brigitte Bierlein für immer die Anerkennung und der Dank der österreichischen Wirtschaft, im Namen derer wir in diesen schweren Stunden den Angehörigen unsere tief empfundene Anteilnahme ausdrücken möchten“, so Mahrer und Kopf abschließend. Wien (OTS)

Nach Abschluss der Pflichtschule besuchte Brigitte Bierlein das Bundesgymnasium in der Kundmanngasse, wo sie 1967 maturierte. Anschließend begann sie ein Studium der Rechtswissenschaften an der Uni Wien, das sie in Mindestzeit abschloss. 1971 promovierte sie zur Doktorin der Rechtswissenschaften. Nach ihrem richterlichen Vorbereitungsdienst und der Richteramtsprüfung im Jahr 1975 arbeitete sie als Richterin am Bezirksgericht Wien Innere Stadt und danach am damaligen Strafbezirksgericht Wien. 1977 wurde sie Staatsanwältin für allgemeine und politische Strafsachen in Wien. 1986 wechselte sie zur Oberstaatsanwaltschaft Wien.

Ab 1987 war sie in der Strafrechtssektion des Bundesministeriums für Justiz tätig und kehrte später als Oberstaatsanwältin zur Oberstaatsanwaltschaft Wien zurück. 1990 wurde sie die erste Frau im Amt des Generalanwalts in der Generalprokuratur beim Obersten Gerichtshof und fungierte dort auch als stellvertretende Leiterin der Generalprokuratur. Bierlein engagierte sich auch in juristischen Organisationen und wurde 1995 Mitglied des Vorstands der Vereinigung österreichischer Staatsanwälte. Von 2001 bis 2003 war sie deren Präsidentin und von 2001 bis 2003 Vorstandsmitglied der IAP (International Association of Prosecutors).

Bis zum 3. Juni 2024 war Brigitte Bierlein auch Mitglied der Jury der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie, die den Demokratiepreis und den Wissenschaftspreis vergibt.



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